Welcher Hochstapler sitzt in deinem Kopf?
Das Imposter-Syndrom sieht nicht bei jedem gleich aus.
Vielleicht glaubst du, dass alles perfekt sein muss, bevor es gut genug ist. Vielleicht hast du das Gefühl, immer noch mehr wissen zu müssen. Oder du denkst, dass du alles alleine schaffen solltest – weil Hilfe anzunehmen irgendwie bedeutet, es selbst nicht zu können.
Die Imposter-Syndrom-Expertin Dr. Valerie Young beschreibt fünf typische Muster, in denen sich solche Gedanken zeigen können: den Perfektionisten, den Experten, den Solisten, den Übermenschen und das natürliche Genie.
Dabei geht es nicht darum, dich in eine Schublade zu stecken. Du kannst dich in einem Typ wiedererkennen – oder gleich in mehreren.
Also: Welcher Hochstapler sitzt bei dir im Kopf?
DER PERFEKTIONIST
„Gut ist schön. Perfekt wäre besser.“ Du setzt die Messlatte hoch. Sehr hoch. Ein Projekt kann zu 95 Prozent großartig gelaufen sein – dein Kopf beschäftigt sich trotzdem lieber mit den fünf Prozent, die nicht perfekt waren. Fehler fühlen sich schnell wie ein Beweis dafür an, dass du eben doch nicht so gut bist, wie andere denken. Typische Gedanken?
Das hätte ich besser machen können.
So kann ich das noch nicht abgeben.
Wenn ich einen Fehler mache, merken die anderen, dass ich es eigentlich nicht kann.
DER EXPERTE
Ich muss erst noch ein bisschen mehr wissen. Du möchtest dich sicher fühlen, bevor du etwas tust. Also liest du noch etwas. Machst vielleicht noch einen Kurs. Recherchierst. Bereitest dich vor. Und trotzdem gibt es irgendwann jemanden, der etwas weiß, was du nicht weißt. Schon kann der Zweifel auftauchen:
Vielleicht kenne ich mich doch nicht gut genug aus.
Es wird immer etwas geben, das du noch nicht weißt.
DER SOLIST
Ich muss das alleine schaffen.
Um Hilfe bitten? Schwierig. Denn wenn du wirklich kompetent wärst, müsstest du es doch eigentlich selbst können. Oder?
Also versuchst du dich durchzubeißen, selbst wenn Unterstützung längst sinnvoll wäre. Wenn ich fragen muss, kann ich es offensichtlich nicht. Ich will niemandem zeigen, dass ich Hilfe brauche.
Dabei sagt die Fähigkeit, Unterstützung anzunehmen, ziemlich wenig darüber aus, wie kompetent du bist.
DER ÜBERMENSCH
Da geht noch mehr.
Gut im Job. Gute Partnerin oder guter Partner. Für andere da sein. Haushalt. Familie. Freunde. Sport. Weiterbildung.
Und natürlich möglichst alles gleichzeitig.
Beim Übermenschen hängt das Gefühl, gut genug zu sein, häufig daran, wie viel man schafft und wie viele Rollen man gleichzeitig erfolgreich erfüllt. Pause? Schwierig. Denn während du nichts tust, könntest du schließlich etwas leisten.
DAS NATÜRLICHE GENIE
Wenn ich wirklich gut darin wäre, müsste es mir leichtfallen.
Du misst deine Kompetenz nicht nur am Ergebnis, sondern auch daran, wie schnell und mühelos du dort hingekommen bist.
Du brauchst länger als erwartet? Du musst üben? Etwas funktioniert nicht beim ersten Versuch? Und schon meldet sich der Gedanke:
Vielleicht bin ich einfach nicht gut genug darin.
...
Und? Hast du deinen gefunden? Vielleicht einen. Vielleicht drei. Vielleicht hast du beim Lesen auch gedacht:
Herzlichen Glückwunsch, ich nehme einmal alle fünf. Auch das ist möglich.
Diese fünf Typen sind keine Diagnosen und keine festen Schubladen. Sie sind ein Modell, das dabei helfen kann, bestimmte Gedanken und Verhaltensmuster leichter zu erkennen. Und vielleicht ist deshalb gar nicht die wichtigste Frage, welcher Typ du bist.
Sondern:
Wann wird welcher Hochstapler in deinem Kopf besonders laut?
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